Dankbarkeit üben:

Was Hunde und Kinder uns über Leichtigkeit lehren

Leichte Abendstimmung. Ein Mann liegt entspannt in einem Boot und geniesst den Augenblick. Symbol für Leichtigkeit und Dankbarkeit im gegenwärtigen Moment.

Warum Dankbarkeit kein Pflichtprogramm sein muss. Was wir von der Freude an kleinen Dingen lernen können und wie du ganz nebenbei mehr Leichtigkeit in deinen Alltag bringst.

Das große Glück kann erstaunlich klein sein

Mein Hund Samy hat eine besondere Begabung: Er schafft es, sich über Dinge zu freuen, an denen ich vermutlich achtlos vorbeigelaufen wäre.

Ein Spaziergang zum Beispiel. Für mich ist das zunächst einmal etwas, das zu unserem Alltag gehört. Wir gehen schließlich mehrmals täglich nach draußen. Die Wege sind uns vertraut, die Bäume stehen noch immer an derselben Stelle und die meisten Überraschungen halten sich in überschaubaren Grenzen.

Für Samy sieht die Sache offenbar ganz anders aus.

Da wird geschnüffelt, entdeckt, beobachtet und manchmal ein Stöckchen gefunden, das unbedingt näher untersucht werden muss. Besonders schön ist es, wenn er einen Ast entdeckt, der eigentlich eine Nummer zu groß für ihn ist. Der wird dann mit einer Begeisterung präsentiert, als hätte er gerade einen sensationellen Schatz geborgen.

Und jedes Mal muss ich schmunzeln.

Ich weiß nicht, ob Hunde Dankbarkeit so empfinden wie wir Menschen. Wahrscheinlich erleben sie vieles ganz anders. Aber eines kann ich bei Samy wunderbar beobachten: Er ist mit einer erstaunlichen Selbstverständlichkeit im Augenblick. Wenn etwas seine Freude weckt, dann freut er sich. Ohne vorher zu prüfen, ob dieser Moment überhaupt besonders genug ist.

Wir Menschen machen das häufig etwas komplizierter.

Da genießen wir eine Tasse Kaffee und denken gleichzeitig darüber nach, was heute noch alles erledigt werden muss. Wir freuen uns über einen freien Nachmittag, planen aber bereits, wie wir ihn möglichst sinnvoll nutzen könnten. Und selbst bei einem wunderschönen Sonnenuntergang fällt uns manchmal noch ein, dass wir dringend die Fenster putzen müssten.

Offenbar sind wir ziemlich gut darin, die Freude am gegenwärtigen Moment mit dem nächsten Gedanken zu überpinseln.

Genau deshalb liebe ich unsere Hunderunden. Sie erinnern mich daran, dass nicht erst etwas Außergewöhnliches passieren muss, damit ein Augenblick schön sein darf.

Und damit sind wir mitten in einem Thema, das mir sehr am Herzen liegt: Dankbarkeit.


Das Wichtigste auf einen Blick

Dankbarkeit bedeutet nicht, immer glücklich sein zu müssen oder schwierige Gefühle schönzureden. Sie hilft dir, bewusster wahrzunehmen, was bereits gut ist – auch dann, wenn nicht alles in deinem Leben so läuft, wie du es dir wünschst. Oft sind es gerade die kleinen, unscheinbaren Augenblicke, die uns Freude und Leichtigkeit schenken.

Das erfährst du in diesem Artikel:

  • Was Hunde und Kinder uns über die Freude am gegenwärtigen Moment zeigen können.

  • Warum Dankbarkeit nichts mit erzwungenem positiven Denken zu tun hat.

  • Wie Dankbarkeit dein Wohlbefinden und deine innere Haltung unterstützen kann.

  • Weshalb auch Trauer, Ärger und Erschöpfung neben Dankbarkeit ihren Platz haben dürfen.

  • Wie du Dankbarkeit ohne zusätzlichen Zeitaufwand in deinen Alltag integrierst.

  • Welche fünf einfachen Dankbarkeitsübungen du ausprobieren kannst.

  • Wie Dankbarkeit mit bewusster Manifestation, dem Lebensrad und deinem VisionBoard zusammenhängt.

Die wichtigste Erkenntnis: Du musst nicht darauf warten, dass alle deine Wünsche erfüllt sind, um die schönen Seiten deines Lebens wahrzunehmen. Dankbarkeit lädt dich ein, auch das wertzuschätzen, was heute schon da ist – ohne den Wunsch nach Veränderung aufzugeben.



Warum Dankbarkeit so viel mit unserer inneren Haltung zu tun hat

Dankbarkeit wird häufig mit einer bestimmten Übung verbunden: Jeden Abend drei Dinge aufschreiben, für die man dankbar ist.

Das kann wunderbar funktionieren. Allerdings ist es nicht die einzige Möglichkeit, Dankbarkeit zu erleben. Und manchmal macht schon die Vorstellung eines weiteren täglichen Rituals mehr Druck als Freude.

Für mich beginnt Dankbarkeit mit Aufmerksamkeit.

Worauf richte ich meinen Blick? Was nehme ich bewusst wahr? Und welche kleinen Dinge gehen in meinem Alltag unter, weil ich gedanklich bereits mit dem nächsten Problem beschäftigt bin?

Unser Gehirn beschäftigt sich aus guten Gründen intensiv mit möglichen Schwierigkeiten. Es hilft uns, Gefahren zu erkennen, Probleme zu lösen und vorauszuplanen. Nur kann dabei leicht der Eindruck entstehen, dass vor allem das wichtig ist, was noch fehlt oder nicht funktioniert.

Und vielleicht kennst du das auch: Du hast einen produktiven Tag hinter dir, viele Aufgaben erledigt und sogar ein schwieriges Gespräch super gemeistert. Doch am Abend beschäftigt dich ausgerechnet die eine Sache, die nicht geklappt hat. 

Dankbarkeit lädt uns dazu ein, den Blick wieder etwas zu erweitern. Wir dürfen sehen, was schwierig war, und gleichzeitig wahrnehmen, was bereits gut ist.

Das verändert nicht automatisch unsere Lebensumstände. Aber es kann verändern, wie wir sie erleben und welche Bedeutung wir den einzelnen Ereignissen geben.

In unserer Artikelserie über bewusstes Manifestieren ist Dankbarkeit deshalb das dritte Werkzeug. Die Gedanken- und Gefühlshygiene hilft uns, unsere inneren Gewohnheiten zu erkennen. Mit der Beobachterposition gewinnen wir etwas Abstand zu Gedanken und Gefühlen. Und die Dankbarkeit unterstützt uns dabei, unsere Aufmerksamkeit bewusst auch auf das zu richten, was uns Kraft gibt und Freude macht.

Wie diese drei Werkzeuge zusammenwirken, beschreibe ich ausführlich in unserem Artikel „Manifestieren lernen: Warum es beim Bemerken beginnt“.

Was Hunde und Kinder uns über die Freude am Augenblick zeigen

Wenn ich Samy beobachte, muss ich manchmal an kleine Kinder denken.

Ein Kind kann minutenlang eine Schnecke betrachten, mit Begeisterung durch eine Pfütze springen oder einen besonders schönen Stein finden, der selbstverständlich mit nach Hause genommen werden muss.

Für Erwachsene ist es eben ein Stein. Für das Kind ist er ein Fundstück von unschätzbarem Wert.

Natürlich können auch Kinder traurig, frustriert, ungeduldig oder wütend sein. Und ein Hund ist keineswegs rund um die Uhr glücklich. Aber beide erinnern uns daran, wie unmittelbar Freude entstehen kann, wenn wir uns ganz auf einen Moment einlassen.

Dabei fallen mir vier Dinge besonders auf.

Sie entdecken das Besondere im Gewöhnlichen

Für Samy muss nicht jeden Tag ein völlig neues Abenteuer stattfinden. Schon ein vertrauter Spaziergang bietet spannende Gerüche, Begegnungen und Entdeckungen.

Wir Erwachsenen neigen dagegen dazu, vieles als selbstverständlich zu betrachten, sobald wir es häufig genug erlebt haben. Der erste Kaffee am Morgen, ein gemütliches Zuhause, ein vertrauter Mensch, der uns anlächelt – all das gehört irgendwann einfach dazu.

Dankbarkeit kann uns helfen, solche Momente wieder bewusster wahrzunehmen.

Sie lassen Freude zu

Hast du schon einmal einen Hund beobachtet, der sich über einen Spaziergang freut? Da wird nicht erst sorgfältig geprüft, ob die Begeisterung angemessen ist.

Wir Menschen halten uns manchmal erstaunlich zurück. Vielleicht, weil wir nicht albern wirken möchten oder weil wir längst gelernt haben, vernünftig und kontrolliert aufzutreten.

Dabei kann es unglaublich gut tun, sich einfach zu freuen.

Auch über Kleinigkeiten.

Sie sind neugierig

Kinder stellen Fragen, erkunden ihre Umgebung und entdecken Dinge, die wir Erwachsenen kaum noch beachten.

Diese Neugier finde ich auch für Dankbarkeit spannend. Denn sobald ich beginne, bewusster hinzuschauen, entdecke ich häufig viel mehr, als ich erwartet hätte.

Was hat mir heute Freude gemacht? Wer hat mich zum Lachen gebracht? Was ist mir gelungen? Welche Begegnung war schön?

Manchmal braucht es nur eine andere Frage, damit sich der Blick verändert.

Sie erinnern uns daran, dass jetzt auch Leben stattfindet

Wir verbringen viel Zeit damit, Vergangenes zu verarbeiten oder Zukünftiges zu planen. Beides ist wichtig und gehört zu unserem Leben.

Nur verpassen wir dabei gelegentlich den Moment, in dem wir uns gerade befinden.

Samy interessiert sich beim Spaziergang nicht dafür, welche Aufgaben später noch auf meinem Schreibtisch warten. Er beschäftigt sich mit dem, was jetzt vor seiner Nase liegt.

Und manchmal denke ich: Vielleicht sollte ich das auch öfter tun.

Wobei ich das ausgiebige Beschnuppern fremder Grashalme lieber ihm überlasse.

Dankbarkeit bedeutet nicht, immer glücklich sein zu müssen

An dieser Stelle möchte ich etwas besonders deutlich sagen.

Dankbarkeit ist keine Verpflichtung, in jeder Situation etwas Positives finden zu müssen.

Wenn du traurig bist, darfst du traurig sein. Wenn dich jemand verletzt hat, darfst du wütend sein. Und wenn du erschöpft bist, musst du nicht versuchen, dich mit einer Dankbarkeitsliste wieder in gute Stimmung zu bringen.

Ich finde sogar, dass solche Versuche manchmal genau das Gegenteil bewirken.

Stell dir vor, du erzählst jemandem, wie schwer dein Tag war, und bekommst als Antwort: „Du musst einfach dankbarer sein. Andere haben es schließlich viel schlechter!“

Na wunderbar. Jetzt hast du nicht nur einen schweren Tag, sondern sollst dich offenbar auch noch dafür schämen.

Das hat mit einer liebevollen Haltung zu uns selbst wenig zu tun.

Dankbarkeit darf neben unangenehmen Gefühlen existieren. Sie muss sie nicht ersetzen.

Ich kann einen Menschen vermissen und gleichzeitig dankbar für die gemeinsamen Erinnerungen sein. Ich kann mich über eine Situation ärgern und trotzdem den liebevollen Anruf einer Freundin genießen. Und ich kann einen anstrengenden Tag erleben, an dem die warme Dusche am Abend ein besonders schöner Moment ist.

Manchmal gelingt es, beides gleichzeitig wahrzunehmen. An anderen Tagen ist der Schmerz so groß, dass für Dankbarkeit gerade kein Platz ist.

Auch das darf sein.

In unserem Artikel „Gedanken- und Gefühlshygiene: Warum Bewusstheit wichtiger ist als positives Denken“ geht es genau um diese Haltung: Gefühle zunächst wahrzunehmen, statt sie sofort korrigieren zu wollen.

Dankbarkeit beginnt für mich deshalb nicht mit dem Anspruch, glücklich zu sein, sondern mit der Offenheit, auch das Gute wahrzunehmen, wenn es gerade da ist.

Was die Positive Psychologie über Dankbarkeit weiß

Dankbarkeit ist nicht nur ein schönes Thema für persönliche Rituale. Sie wird auch in der Positiven Psychologie erforscht.

Untersuchungen zu Dankbarkeitsübungen legen nahe, dass die bewusste Beschäftigung mit positiven Erfahrungen und wertgeschätzten Dingen bei manchen Menschen das Wohlbefinden unterstützen kann. Dazu gehören beispielsweise das Aufschreiben von Dankbarkeitsmomenten oder das bewusste Erinnern an Menschen, die uns etwas Gutes getan haben.

Die Ergebnisse sind allerdings nicht bei allen Menschen gleich. Eine Dankbarkeitsübung ist weder ein Garant für gute Laune noch ein Ersatz für die Unterstützung, die jemand in einer belastenden Lebensphase benötigt.

Das finde ich wichtig, denn in der Selbsthilfewelt werden aus hilfreichen Anregungen manchmal erstaunlich schnell allgemeingültige Glücksrezepte.

Dabei sind wir Menschen unterschiedlich.

Manche lieben es, jeden Abend ein Journal zu führen. Andere erleben Dankbarkeit besonders intensiv in der Natur, im Gespräch oder beim bewussten Genießen eines Augenblicks.

Es gibt keinen Grund, ausgerechnet aus Dankbarkeit den nächsten Wettbewerb zu machen.

Wichtiger als die perfekte Methode ist für mich, dass sie sich gut in dein Leben einfügt.

Meine Dankbarkeitsroutine:

Die Hunderunde als Erinnerung

Collage die Momente meiner Hunderunde zeigen. Mal im Herbst mit meinem Hund neben mir, mal rennt mein Hund fröhlich auf mich zu und dann schaut er über einen See im Sommer.

Ich mag Rituale.

Aber ich weiß auch, wie schnell aus einer guten Idee ein weiterer Punkt auf einer ohnehin langen Aufgabenliste werden kann.

Deshalb finde ich es hilfreich, kleine Übungen mit etwas zu verbinden, das sowieso zu meinem Alltag gehört.

Bei mir ist das die Hunderunde.

Mehrmals täglich gehe ich mit Samy nach draußen. Und irgendwann während des Spaziergangs halte ich ganz bewusst inne.

Manchmal passiert das, wenn er wieder etwas Spannendes entdeckt hat. Manchmal, wenn mein Blick über den See schweift und ich die Sonne auf der Haut spüre oder einen besonders schönen Moment erlebe.

Dann frage ich mich: Wofür bin ich gerade dankbar?

Nicht grundsätzlich, nicht für mein gesamtes Leben und auch nicht für eine Liste möglichst beeindruckender Dinge.

Einfach jetzt, in diesem Augenblick.

Vielleicht freue ich mich über die klare Luft, über die gemeinsame Zeit mit Samy oder darüber, dass ich gerade nichts anderes tun muss, als einen Fuß vor den anderen zu setzen.

Manchmal denke ich an Torsten, an unser Zuhause oder an etwas, das mir an diesem Tag gut gelungen ist.

Und manchmal entsteht die Dankbarkeit ganz von allein, weil Samy mit einer Begeisterung und Geschwindigkeit durch die Gegend flitzt, die mich unweigerlich zum Lachen bringt.

Ich versuche dann, den Moment tatsächlich wahrzunehmen, statt ihn nur gedanklich abzuhaken.

Das dauert manchmal nur wenige Sekunden. Aber genau solche kleinen Augenblicke machen meine Hunderunden für mich zu mehr als einer täglichen Aufgabe.

Und das Schöne daran: Du brauchst keinen Hund, um diese Form der Dankbarkeit zu üben.

Deine Erinnerung kann der erste Kaffee am Morgen sein, der Weg zum Briefkasten, das Händewaschen oder der Moment, in dem du abends das Licht ausschaltest.

Wichtig ist nur, dass du etwas wählst, das ohnehin regelmäßig stattfindet. So muss Dankbarkeit keinen zusätzlichen Platz in deinem Terminkalender bekommen.

Sie darf einfach Teil deines Alltags werden.

Fünf Dankbarkeitsübungen, die sich leicht in deinen Alltag integrieren lassen

Es gibt unzählige Möglichkeiten, Dankbarkeit zu üben. Ich möchte dir fünf vorstellen, die ohne großen Aufwand funktionieren und sich gut miteinander kombinieren lassen.

Du musst sie nicht alle ausprobieren. Such dir die aus, die dich anspricht.


1. Der kleine Dankbarkeitsmoment

Verbinde Dankbarkeit mit einer Gewohnheit, die bereits zu deinem Alltag gehört.

Wenn du morgens deinen Kaffee trinkst, auf dem Spaziergang bist oder dich abends ins Bett legst, halte kurz inne und frage dich: Was war heute oder gerade eben schön?

Vielleicht fällt dir sofort etwas ein. Vielleicht musst du ein wenig nachdenken.

Wenn du einen Moment gefunden hast, bleib für zwei oder drei Atemzüge dabei. Erinnere dich daran, wie du ihn erlebt hast, was du gesehen, gehört oder gefühlt hast.

Es geht nicht darum, möglichst viele Dinge zu sammeln. Ein einzelner bewusst wahrgenommener Augenblick reicht vollkommen aus.


2. Ein Dankeschön an deinen Körper

Unser Körper begleitet uns jeden Tag, und häufig schenken wir ihm erst dann besondere Aufmerksamkeit, wenn etwas nicht so funktioniert, wie wir es uns wünschen.

Bei dieser Übung kannst du dich bequem hinsetzen, die Hände auf deinen Brustkorb oder deinen Bauch legen und einige ruhige Atemzüge nehmen.

Frage dich anschließend, wofür du deinem Körper heute dankbar sein möchtest.

Vielleicht dafür, dass deine Beine dich auf einem Spaziergang getragen haben, dass du etwas Schönes sehen oder einen lieben Menschen umarmen konntest.

Wenn dein Verhältnis zu deinem Körper gerade schwierig ist, musst du keine Dankbarkeit erzwingen. Du kannst stattdessen mit einer freundlichen Feststellung beginnen: „Mein Körper gibt heute sein Bestes.“

Auch das kann ein wertvoller Moment sein.


3. Ein stilles Dankeschön an einen Menschen

Denk an einen Menschen, der dein Leben auf irgendeine Weise bereichert hat.

Das kann jemand sein, der dich über viele Jahre begleitet, oder ein Mensch, der dir in einem schwierigen Moment geholfen hat.

Vielleicht erinnerst du dich an eine freundliche Geste, ein gutes Gespräch oder einen Satz, der dir lange im Gedächtnis geblieben ist.

Nimm dir einen Augenblick Zeit, diese Erinnerung bewusst aufleben zu lassen.

Du kannst deinem Gegenüber innerlich danken. Wenn es passt, kannst du deinen Dank natürlich auch persönlich ausdrücken.

Manchmal ahnen andere Menschen gar nicht, wie viel uns eine kleine Geste bedeutet hat.


4. Die kleinen Erfolge sichtbar machen

Wir beschäftigen uns oft intensiv mit dem, was noch erledigt werden muss. Was bereits geschafft ist, gerät dabei schnell in Vergessenheit.

Versuche deshalb einmal, am Abend nicht nur auf deine offenen Aufgaben zu schauen, sondern auch auf das, was dir gelungen ist.

Vielleicht hast du ein unangenehmes Gespräch geführt, eine schwierige Entscheidung getroffen oder dir endlich eine Pause erlaubt.

Nicht jeder Erfolg muss von außen sichtbar sein.

Gerade die kleinen persönlichen Schritte verdienen mehr Anerkennung, als wir ihnen geben.

Wenn du möchtest, schreibe dir diese Momente auf. So entsteht mit der Zeit eine Sammlung von Dingen, die du bereits gemeistert hast.


5. Ein Dankbarkeitsglas oder Erinnerungsbuch

Diese Übung mag ich besonders, weil sie Dankbarkeit sichtbar macht.

Nimm ein schönes Glas, eine kleine Schachtel oder ein Notizbuch. Immer wenn du etwas erlebst, wofür du dankbar bist, hältst du es auf einem Zettel oder einer Seite fest.

Das können große Ereignisse sein, aber auch winzige Alltagsmomente: ein besonders schöner Spaziergang, eine liebe Nachricht, ein gemeinsames Lachen oder eine Herausforderung, die du bewältigt hast.

Mit der Zeit entsteht eine persönliche Sammlung.

An Tagen, an denen dir wenig Gutes einfällt, kannst du darin blättern und dich an Erlebnisse erinnern, die dir wichtig waren.


Eine ähnliche Idee nutzen wir übrigens auch beim VisionBoard: Dort kann ein eigener Bereich für bereits Erreichtes und für schöne Erfahrungen entstehen. So zeigt dein Board nicht ausschließlich Wünsche für die Zukunft, sondern erinnert dich auch daran, wie viel bereits Teil deines Lebens ist.

Wie du ein solches VisionBoard gestaltest, erfährst du in unserem Artikel „Vision Board erstellen: Warum deins mehr braucht als schöne Bilder“.

Und was ist mit den schweren Erfahrungen?

Manchmal hört man den Rat, man solle auch für schwierige Erfahrungen dankbar sein, weil sie uns angeblich stärker machen.

Ich finde solche Aussagen… nun ja, nicht immer passend. Nicht jede schmerzhafte Erfahrung braucht im Nachhinein einen positiven Sinn. Und niemand muss dankbar dafür sein, verletzt worden zu sein oder einen geliebten Menschen verloren zu haben.

Trotzdem kann es vorkommen, dass wir mit etwas Abstand erkennen, was wir aus einer schwierigen Lebensphase mitgenommen haben.

Vielleicht haben wir gelernt, unsere Grenzen besser zu erkennen. Vielleicht wissen wir heute klarer, was uns wichtig ist. Oder wir haben Menschen kennengelernt, die uns in einer schweren Zeit begleitet haben.

Dann können wir für diese Erkenntnisse oder Begegnungen dankbar sein, ohne die ursprüngliche Erfahrung schönzureden.

Das ist für mich ein großer Unterschied!

Dankbarkeit braucht keine nachträgliche Rechtfertigung für alles, was im Leben passiert.

Manchmal ist sie einfach die Fähigkeit, auch in einer schwierigen Zeit einen Moment von Nähe, Trost oder Schönheit wahrzunehmen.

Und manchmal kommt sie erst sehr viel später.

Dankbarkeit und Manifestation:

Warum der Blick auf das Vorhandene wichtig ist

Wenn wir uns mit unseren Wünschen beschäftigen, richtet sich unsere Aufmerksamkeit ganz natürlich auf etwas, das wir noch nicht haben oder erleben.

Wir wünschen uns vielleicht mehr Ruhe, eine erfüllende Arbeit, ein liebevolles Zuhause oder größere finanzielle Freiheit.

Daran ist überhaupt nichts falsch. Wünsche können uns motivieren und helfen, neue Ziele zu entwickeln.

Schwierig wird es, wenn wir ausschließlich auf das schauen, was uns noch fehlt. Denn dann kann leicht der Eindruck entstehen, unser eigentliches Leben beginne erst, wenn wir ein bestimmtes Ziel erreicht haben.

Wenn ich endlich diesen Job habe, werde ich zufrieden sein. Wenn wir in einem anderen Haus wohnen, wird alles besser. Wenn ich dieses eine Problem gelöst habe, kann ich mein Leben genießen.

Und während wir auf diesen ersehnten Moment hinarbeiten, übersehen wir womöglich vieles, was bereits gut ist.

Dankbarkeit hilft uns, den Blick zu erweitern. Wir können uns weiterhin Veränderungen wünschen und gleichzeitig wertschätzen, was wir schon haben, bereits erlebt oder erreicht haben.

Für mich ist das eine wichtige Grundlage bewusster Manifestation. Ich möchte meine Wünsche nicht ausschließlich aus dem Gefühl heraus verfolgen, dass mein gegenwärtiges Leben unzureichend ist.

Ich möchte erkennen, was mir wichtig ist, mich auf meine Möglichkeiten ausrichten und bewusst Schritte in die gewünschte Richtung gehen.

Dabei darf ich mich auch heute schon über mein Leben freuen.

Genau diese Haltung verbindet unsere drei Werkzeuge: Die Gedanken- und Gefühlshygiene macht uns auf innere Gewohnheiten aufmerksam. Die Beobachterposition hilft uns, Abstand zu gewinnen. Und Dankbarkeit lädt uns dazu ein, unseren Blick immer wieder auf das zu richten, was uns stärkt.

Wenn du genauer verstehen möchtest, wie diese Werkzeuge zusammenhängen und weshalb auch Entscheidungen und Handlungen zum Manifestieren gehören, lies unseren Hauptartikel „Manifestieren lernen: Warum es beim Bemerken beginnt“.

Dankbarkeit als Begleiter deiner persönlichen Ziele

Eine dankbare Grundhaltung bedeutet übrigens nicht, dass wir uns mit allem zufrieden geben müssen.

Du darfst für dein Zuhause dankbar sein und dir trotzdem ein anderes wünschen. Du darfst deine Arbeit wertschätzen und gleichzeitig merken, dass du dich beruflich verändern möchtest. Und du darfst schöne Beziehungen erleben und dennoch das Bedürfnis haben, bestimmte Grenzen klarer zu setzen.

Dankbarkeit und Veränderungswunsch schließen sich nicht aus.

Gerade deshalb finde ich es hilfreich, bei der Arbeit mit dem Rad des Lebens zunächst auch auf die Lebensbereiche zu schauen, mit denen wir bereits zufrieden sind.

Was funktioniert dort gut? Welche Entscheidungen haben dazu beigetragen? Was gibt mir Kraft, Freude und Sicherheit?

Erst anschließend betrachten wir die Bereiche, in denen wir uns Veränderungen wünschen.

So beginnen wir unsere persönliche Standortbestimmung nicht ausschließlich mit einer Mängelliste.

Wie du mit dem Rad des Lebens deine eigenen Maßstäbe findest und daraus passende Ziele entwickelst, zeige ich dir in unserem Artikel „Lebensrad: So findest du Ziele, die wirklich deine sind“.

Eine kleine Einladung für die nächsten sieben Tage

Wenn du Dankbarkeit stärker in deinen Alltag einladen möchtest, habe ich eine einfache Idee für dich.

Wähle für die kommenden sieben Tage einen Moment, der ohnehin regelmäßig stattfindet. Vielleicht ist es der erste Kaffee am Morgen, die Mittagspause, ein Spaziergang oder das Zubettgehen.

Nimm dir in diesem Moment bewusst ein wenig Zeit und frage dich:

„Was ist gerade gut in meinem Leben?“

An manchen Tagen fällt dir sofort etwas ein. An anderen Tagen musst du genauer hinschauen. Vielleicht ist es nur eine warme Tasse Tee, ein freundliches Wort oder die Tatsache, dass du für einen Augenblick deine Ruhe hast.

Bleib kurz bei diesem Gedanken und nimm wahr, was er in dir auslöst.

Du kannst deine Erfahrungen aufschreiben, musst es aber nicht.

Und wenn es einen Tag gibt, an dem du überhaupt keine Dankbarkeit empfindest, ist auch das in Ordnung. Dann nimm wahr, wie es dir geht, und versuche es an einem anderen Tag erneut.

Dankbarkeit soll dein Leben bereichern, nicht deine Liste unerledigter Aufgaben verlängern.

Fazit: Manchmal liegt das Glück direkt vor unseren Füßen

Wenn ich mit Samy draußen unterwegs bin, muss ich manchmal daran denken, wie unterschiedlich wir beide die Welt erleben.

Während ich noch darüber nachdenke, was ich später erledigen möchte, hat er längst etwas entdeckt, das seine volle Aufmerksamkeit verdient.

Ein Geräusch im Gebüsch. Eine interessante Spur. Oder eben diesen einen Ast, der offenbar unbedingt mitgenommen werden muss.

Und dann sehe ich seine Freude und muss unweigerlich lächeln.

Vielleicht ist genau das eine der schönsten Erinnerungen, die uns Tiere und Kinder schenken können: Nicht jeder Augenblick braucht eine besondere Bedeutung, um wertvoll zu sein.

Wir dürfen uns über kleine Dinge freuen. Wir dürfen schöne Momente genießen, ohne sie sofort festhalten oder optimieren zu müssen. Und wir dürfen dankbar sein für das, was bereits Teil unseres Lebens ist, während wir gleichzeitig neue Wünsche und Ziele entwickeln.

Dankbarkeit macht schwierige Erfahrungen nicht ungeschehen. Sie löst nicht jedes Problem und sorgt auch nicht dafür, dass wir von nun an immer glücklich sind.

Aber sie kann unseren Blick erweitern.

Und manchmal beginnt das tatsächlich mit etwas so Einfachem wie einem Spaziergang, einer warmen Tasse Kaffee oder einem Hund, der stolz einen Stock durch die Gegend trägt.

Wobei Samy vermutlich hinzufügen würde, dass es selbstverständlich auf die Qualität des Stocks ankommt.


FAQ - Häufige Fragen zum Thema Dankbarkeit üben

Wie kann ich Dankbarkeit im Alltag üben?

Am einfachsten gelingt es häufig, wenn du Dankbarkeit mit einer bestehenden Gewohnheit verbindest. Halte beispielsweise beim Morgenkaffee, auf einem Spaziergang oder vor dem Schlafengehen kurz inne und überlege, wofür du gerade dankbar bist. Ein einzelner bewusst wahrgenommener Moment reicht für den Anfang aus.

Wie oft sollte ich Dankbarkeit üben?

Es gibt keine feste Regel. Manche Menschen profitieren von einer täglichen kurzen Übung, andere bevorzugen ein Dankbarkeitsjournal, in das sie mehrmals pro Woche schreiben. Entscheidend ist, dass sich die Praxis gut in deinen Alltag einfügt und sich nicht wie eine zusätzliche Verpflichtung anfühlt.

Was mache ich, wenn ich mich gerade nicht dankbar fühle?

Dann musst du keine Dankbarkeit erzwingen. Nimm zunächst wahr, wie es dir geht. Manchmal ist gerade Traurigkeit, Ärger oder Erschöpfung da und braucht Aufmerksamkeit. Du kannst die Übung später wieder aufgreifen, wenn sie sich passend anfühlt.

Ist Dankbarkeit dasselbe wie positives Denken?

Nein. Beim positiven Denken versuchen wir häufig, eine Situation bewusst aus einer optimistischeren Perspektive zu betrachten. Dankbarkeit bedeutet zunächst, Dinge wahrzunehmen und wertzuschätzen, die uns guttun oder wichtig sind. Schwierige Gedanken und Gefühle dürfen dabei weiterhin bestehen bleiben.

Muss ich meine Dankbarkeit aufschreiben?

Nein. Ein Dankbarkeitsjournal kann hilfreich sein, ist aber keine Voraussetzung. Du kannst Dankbarkeit auch während eines Spaziergangs, im Gespräch oder durch einen kurzen bewussten Gedanken erleben. Wähle die Form, die dir persönlich liegt.

Kann Dankbarkeit gegen Stress helfen?

Dankbarkeitsübungen können bei manchen Menschen das Wohlbefinden unterstützen und helfen, positive Erfahrungen bewusster wahrzunehmen. Sie beseitigen allerdings keine tatsächlichen Belastungen. Wenn dein Alltag dauerhaft zu voll ist, kann es genauso wichtig sein, Grenzen zu setzen, Aufgaben zu reduzieren oder Unterstützung zu suchen.

Kann ich auch für schwierige Erfahrungen dankbar sein?

Manche Menschen erkennen im Rückblick, welche Erkenntnisse oder Veränderungen aus einer schwierigen Lebensphase entstanden sind. Du musst jedoch weder für Schmerz noch für Verluste dankbar sein. Es ist vollkommen in Ordnung, eine Erfahrung als schwer oder ungerecht zu empfinden, selbst wenn du später etwas daraus gelernt hast.


Hinweis: Dieser Beitrag beruht auf eigene Erfahrung und Ausbildung in Meditation und Entspannungsarbeit und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung.


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Weiterlesen: Bewusstheit, Beobachterposition und Dankbarkeit

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